Prenzlauer Zeitung vom 12. Januar 2010

Prenzlauer Zeitung vom 12.01.2010
JUBILÄUM. 100 Jahre alt zu werden und dann noch an einem 11.1.10, das ist nicht jedem vergönnt. Else Völker feiert mit ihren Lieben im Seniorenzentrum.
von Monika Strehlow
PRENZLAU. Am 11.1.10 den 100. Geburtstag zu feiern, das ist nicht jedem vergönnt. Else Völker, Bewohnerin des AWO-Seniorenzentrums "Margarete Blank" in Prenzlau, gehörte gestern dazu. Die rüstige Seniorin lebt seit 2003 hier, fühlt sich gut aufgehoben und umsorgt. Dass sie nicht mehr so gut zu Fuß ist und die Augen nachlassen, mache nichts. Mit dem Rollstuhl ist sie jeden Tag in dem großen Komplex unterwegs, fährt allein zum Friseur oder Bekannte im Haus besuchen.
Die Aufregung auf ihren großen Tag habe sich in Grenzen gehalten, verrät Renate Grulke, die sich im Wohnbereich III um sie kümmert. Erst am Morgen sei der Puls wohl gestiegen. Davon war kurze Zeit später an der festlich gedeckten, vom Seniorenzentrum gestifteten Geburtstagstafel, nichts mehr zu merken. Bürgermeister Hendrik Sommer und Haike Fleischmann, Seniorenbeauftragte des Landkreises, überbrachten herzliche Grüße. Natürlich hatten auch die Leiterin des Hauses, Edeltraud Grünhaldt, und die Pflegedienstleiterin Rita Mieling zum Jubiläum alles Gute gewünscht.
An den kleinen Gesten war zu merken, wie sehr sich Else Völker über ihre Nichte und deren Sohn freute. Denn Elsbeth Runge aus Schönermark, und Bodo Runge, der mit seiner Familie in Prenzlau lebt, halten sehr engen Kontakt zu der betagten Dame, die sie nur "Tante Else" nennen. Sie sei immer ein Stadtmensch gewesen, erzählen sie. Geboren im pommerschen Nörnenberg, verlebte Else Völker ihre Kindheit im uckermärkischen Schapow. "Doch sie wollte immer in die Stadt zurück", weiß die Schönermarkerin zu berichten. So sei sie mit knapp 18 Jahren nach Stargard gezogen. In den Kriegswirren flüchtete sie mit Hunderten anderen Deutschen und kam mit dem Schiff nach Dänemark. Von dort habe es Tante Else nach Schleswig-Holstein verschlagen, bis sie endlich in Düsseldorf landete und dort mit ihrem Mann ein halbes Jahrhundert lebte. "Meinen Mann hat sie als Lieblingsneffen betrachtet. Später sagte er: 'Tante Else, wenn Du Dir mal allein nicht mehr so behelfen kannst, dann kommst Du zu uns'. Doch er starb 1998 und so habe ich sie vor zehn Jahren zu mir ins Haus geholt", erinnert sich die 72-Jährige. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem die Frauen, beide nicht mehr die Gesündesten, sich für das Seniorenzentrum als neues Heim für die damals schon 93-Jährige entschieden. "In den ersten Jahren habe ich ihr die ganze Stadt gezeigt, immer unterwegs mit dem Rollstuhl. Und sie staunte, was aus dem Prenzlau geworden ist, das sie noch aus der Kindheit kannte." Heute schaut Elsbeth Runge mindestens jeden Freitag nach Tante Else. Die besondere Freude der 100-Jährigen, deren Ehe kinderlos blieb, sind Marco, den Fünfjährigen hat sie besonders ins Herz geschlossen, und sein älterer Bruder Eric. Nicht nur zu Festtagen wird sie von den Runges abgeholt und ins Familienleben einbezogen. Diese enge Bindung an ihre Lieben ist es sicher auch, die die Vitalität der Frau nährt, die Zeit ihres Lebens immer bescheiden gelebt hat. "Und sie will immer etwas abgeben", schaut Elsbeth Runge liebevoll lächelnd Tante Else an.



