Märkische Allgemeine vom 21. Juli 2010

JUBILÄUM: Keine Zeit für Flitterwochen
Machurigs feiern „Gnadenhochzeit“
70 Jahre verheiratet
POTSDAM / WALDSTADT - „Glück muss man haben“, sagt Friedel Machurig, „Glück, die Wehwehchen zu überstehen, um zusammenbleiben zu können.“ Das ist rückblickend ihre Formel für eine lange Ehe, die bei Friedel (93) und Walter Machurig (96) seit 70 Jahren hält. „Wir sind uns immer noch gut.“ Gestern beging das Paar im Awo-Seniorenzentrum „Käthe-Kollwitz-Haus“ in der Waldstadt die sogenannte „Gnadenhochzeit“. Bevor am Samstag in Familie gefeiert wird, zu der außer Tochter Ursula und Sohn Wolfgang samt Partnern noch vier Enkel und sechs Urenkel gehören, gratulierte gestern die Sozialbeigeordnete Elona Müller im Namen der Stadt.
Derweil erinnerte sich Friedel Machurig an das erste Treffen in einem Tanzcafé: „Wir haben uns gleich gefallen.“ 1936 war’s, in ihrer beider Heimatstadt Sommerfeld, dem heute polnischen Lubsko. Schnell schmiedeten sie gemeinsame Zukunftspläne, warteten mit der Heirat jedoch, bis Walter Machurig das Elektrotechnik-Studium beendet hatte. Für das Hochzeitsmahl am 20. Juli 1940 wurden Fleischmarken aufgespart; für Flitterwochen blieb jedoch keine Zeit. Machurig musste als Fernmelde-Ingenieur in den Frankreichfeldzug. Wegen Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung fuhr das Paar ohnehin erst nach zehn Ehejahren in den ersten Urlaub. Die Leidenschaft der Eheleute galt dem Camping, vor allem die ehemalige Tschechoslowakei erkundeten die Machurigs in ihrem rollenden Heim. Da waren sie längst in Potsdam sesshaft geworden.
1949 zogen sie in die Mark; fünf Jahre später gehörte das Paar zu den Gründungsmitgliedern der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“. Dort arbeitete Friedel Machurig lange Jahre als Buchhalterin.
Zwar sind die beiden betagten Rentner im Februar ins Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt gezogen, ihre Genossenschaftswohnung in Babelsberg wollen sie dennoch behalten. (Von Ricarda Nowak)



