AWO BV Logo


Kreisverwaltung will Beratungsangebote neu vergeben

Wohlfahrtsverband warnt vor Ausverkauf

Wohlfahrtsverband warnt vor Ausverkauf

Der AWO-Bezirksverband Potsdam schlägt Alarm: Die Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark hat die Schuldner- sowie die Suchtberatung für die Dauer eines Jahres neu ausgeschrieben. Seit zwei Jahrzehnten bietet der Wohlfahrtsverband beides an. Die Vorstandsvorsitzende Angela Schweers bezeichnet die „interne Entscheidung“ des Kreises als „Ausverkauf der sozialen Arbeit“.

 Quelle:  H. Helwig

Schlagen Alarm: AWO-Bezirksvorsitzende Angela Schweers, Aline Liebenow (Schuldnerberatung) und Daniel Zeis (Suchtberatung, v. r. n. l.).

Potsdam-Mittelmark. Der AWO-Bezirksvorstand Potsdam schlägt Alarm: Die Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark hat Mitte August überraschend die Schuldnerberatung sowie die Suchtberatung im Landkreis für die Dauer eines Jahres neu ausgeschrieben. Der Wohlfahrtsverband hilft Mittelmärkern seit 18 Jahren, aus ihrer Schuldenfalle heraus zu kommen und Abhängigen seit 25 Jahren, sich erfolgreich von ihrer Sucht zu lösen.

In den zehn Schuldner- und fünf Suchtberatungsstellen im Kreis wird die Hälfte der derzeit 859 Überschuldeten und etwa 300 Suchterkrankten über mehrere Jahre hinweg betreut. „Dabei geht es nicht nur um die Existenzsicherung unserer Klienten, sondern auch um deren psychosoziale Begleitung“, sagt AWO-Bezirksvorstandsvorsitzende Angela Schweers. Daraus seien viele vertrauensvolle und vertrauliche Verhältnisse entstanden, die durch eine Neuvergabe der Beratung wegbrechen und in einem Jahr nicht wieder aufgebaut werden können. Auch die AWO könne sich bis zum Jahresende bewerben, hieß es in der elektronischen Hiobsbotschaft des Fachbereiches Soziales vom August, die einen lapidaren Hinweis auf den Link zur Ausschreibung enthielt.

„Das ist der Anfang des Ausverkaufs der sozialen Arbeit“, kommentiert Schweers das Vorgehen der Kreisverwaltung. Selbst wenn die AWO den Zuschlag erhielte, könne sie ihren insgesamt 20 Mitarbeitern in den beiden Beratungsstellen nach der neuen Ausschreibungsfrist statt einer langjährigen Arbeitsplatzperspektive lediglich kurzfristige Verträge anbieten, was erfahrene Berater veranlassen werde, den Verband zu verlassen. Ratsuchende könnten auf keine kontinuierliche Betreuung mehr hoffen. „Auf der Rankingliste der Gläubiger, Inkasso-Unternehmen und der anderen Partnern stehen wir ganz oben und gelten als zuverlässig beim Aushandeln von Vergleichen“, erklärt die Leiterin der mittelmärkischen Schuldnerberatung, Aline Liebenow. Auch ihr Kollege Daniel Zeis, der die Suchtberatung in Potsdam-Mittelmark leitet, habe sich ein großes Vertrauen in dem Netzwerk erarbeitet, dass nun auseinanderzufallen drohe.


Für die Neuausschreibung der Beratungsangebote gibt es offenbar keinen Kreistagsbeschluss, wie die AWO auf Anfrage vom Sozialausschuss erfuhr. Die Initiative der Verwaltung sei eine „interne Entscheidung“, teilte der Fachbereich Soziales der AWO mit.

Ausschreibungen „passieren von Zeit zu Zeit, um zu ermitteln, was sich am Markt tut“, begründet Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachbereich die geplante Neuvergabe gegenüber dieser Zeitung. Er bestätigte die Einjahresfrist der Verträge, die allerdings eine Option auf weitere zwei Jahre enthielten. „Damit wird eine soziale Leistung zu einer Marktware“, stellt die AWO-Vorstandsvorsitzende Angela Schweers fest.

Von Heinz Helwig

Zurück