AWO BV Logo


Neues Büro gegen Kinderarmut eröffnet

Märkische Allgemeine vom 31.08.2018

Büro Kindermut

Die Awo forciert ihren Kampf gegen Armut bei Schulkindern – Chancengleichheit sei wichtigste Voraussetzung

Von Jonas Nayda

Stern. Kinderarmut soll in Potsdam besser bekämpft werden. Dafür hat der Awo Bezirksverband gestern sein neues „Büro Kindermut“ eröffnet. Awo-Bezirksverbands-Vorsitzende Angela Schweers hat sich viel vorgenommen: „Wir wollen nicht die nächste steife Organisation sein, die sich irgendwo hinsetzt und die Leute zu sich herkommen lässt“, sagt sie. Deshalb ist das neue „Büro Kindermut“ mobil aufgestellt.

Die Arbeit findet direkt in den Potsdamer Schulen statt. Dort werden dann beispielsweise kostenloses Frühstück für die Kinder serviert oder Schwimmkurse organisiert. „Was wir tun, muss immer be-darfsgerecht sein“, sagt Angela Schweers. Das bedeutet, dass die Kinder selbst anregen, wo sie den größten Handlungsbedarf sehen. Achtklässler der Leonardo-da- Vinci-Gesamtschule haben das während der Awo-Aktionswoche „Gegen Bildungsarmut und kulturelle Armut“ im Juni bereits getan.

Ihre Forderungen lauteten unter anderem: günstigeres Schulessen, digitale Schulbücher für alle und mehr finanzielle Hilfe für Hobbys. Das „Büro Kindermut“ sei eine Konsequenz aus den Awo-Aktionswochen, die es bereits seit vier Jahren gibt. „Vor vier Jahren war das Thema Kinderarmut noch nicht so präsent in der Öffentlichkeit.
Wenn man wirklich etwas dagegen tun will, dann muss es langfristig angelegt sein. Projekte, die nach ein paar Monaten wieder zu Ende sind, nützen fast gar nichts“, sagt Franziska Löffler, eine von drei Büro- Mitarbeiterinnen. Löffler ist daher besonders froh, dass die soziale Förderorganisation „Aktion Mensch“ das Büro für die kommenden drei Jahre komplett finanziert.

Trotzdem ist das „Büro Kindermut“ auf Spenden angewiesen,um weiter wachsen zu können. Bei der Büroeröffnung gestern waren deshalb auch Vertreter aus der Wirtschaft und der Politik eingeladen. Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, war für den Termin nach Potsdam gereist. „Jedes Kind in Armut ist ein Skandal. Aber dieses neue Büro ist ein Mosaikstein, um etwas zu verändern“, sagte er.

Pete Heuer (SPD), Fraktionsvorsitzender der Potsdamer Sozialdemokraten, fand deutliche Worte: „Ziel muss es sein, das Büro in zehn Jahren wieder schließen zu können. Weil es bis dann keine Kinderarmut mehr geben soll.“ Doch dahin ist es noch ein weiter Weg. Eine Studie der Bertelsmann- Stiftung belegt, dass Armut oft über mehrere Generationen vererbt wird.

Ein Ausstieg aus dieser Spirale sei laut Awo Bezirks-Vorsitzender Schweers nur möglich, wenn alle Kinder die gleichen Startbedingungen bekämen.
„Die Zukunft von Kindern darf nicht von ihrem Elternhaus abhängen. Unser Ziel ist deshalb echte Chancengleichheit“, sagt sie. Das sei die Aufgabe des „Büros Kindermut“.

 

Zurück