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Niemegks „Glücksfall“ – der neue „Kastanienhof“

Niemegk-Blogg 17. Mai 2017

Berliner Architektenehepaar Kaufmann-Götz weihte mit Gästen den neuen Wohnstandort ein

Der „Kastanienhof“ in Niemegk, das größte Bauprojekt in der Stadt seit Jahren, wurde am Dienstag feierlich eingeweiht. Im Hof versammelten sich zahlreiche Gäste, bestaunten das beeindruckende und einladende Areal. Es war erst wenige Stunden zuvor endgültig fertiggestellt worden. Morgens lag beispielsweise noch der Rollrasen an der Straße, Mittags unter der Kastanie, die den neuen Wohnstandort den Namen gibt.

Die Gäste gratulierten der Berliner Architektin Martina Kaufmann-Götz, die mit ihrem Ehemann Werner Rudolf, über die Kaufmann-Götz-Gruppe rund zwei Millionen Euro am Standort investierte. In der Villa in der Bahnhofstraße 45 und in drei weiteren Gebäuden dahinter gibt es jetzt 20 alten- bzw. behindertengerechte Wohnungen. Sie bieten den Mietern je nach Anspruch individuelle Wohnungsgrößen zwischen gut 40 und 70 Quadratmetern. Die Quartiere sind modern ausgestattet. Lifts sorgen im Bedarfsfall für Mobilität. Und der große Hof lädt zu Begegnungen ein.

Der zweifellos attraktive, neue Wohnstandort in Niemegk bietet mehr. Er ist eng mit der Gemeindesozialarbeit des Arbeiterwohlfahrt-Bezirksverbandes Potsdam und  des Amtes Niemegk verbunden.  Beide betreiben seit Jahren sehr erfolgreich das Familienzentrum mit zahlreichen Angeboten für Jung und Alt. Jetzt tritt die Awo auch als Vermieter des „Kastanienhofes“ auf. „Drei Mieter haben wir schon. Jetzt, wo alles fertig ist, beginnt die Werbung für unser Objekt“, sagte  Yvonne Burow während der Einweihungsfeier. Die junge Frau ist Ansprechpartnerin auf dem „Kastanienhof“ in Niemegk (Mail yvonne.burow@awo-potsdam.de/ Tel. 033841/3878-36). Sie weiß Bescheid, wenn es um ambulante Pflege- und Betreuungsleistungen geht oder der Essensservice oder andere Dienstleistungen von den Mietern gewünscht werden.

Martina Kaufmann-Götz begrüßte die Anwesenden und einen Teil der Baubeteiligten Firmen, u. a. die ENG Elektro Niemegk, die örtliche Dachdeckerfirma Lutsch, Vermessungsbüro Kallenbach. Die Eigentümerin erinnerte an den Werdegang des anspruchsvollen Investitionsobjektes, das das Berliner Architekten-Ehepaar Ende 2013 von den Erben der Familie Koberg erwarb. Für Planungen und Baugenehmigungen verging einige Zeit. Parallel liefen die Verhandlungen mit Angela Basekow vom Awo-Bezirksvorstand. 2016 war Baubeginn und nach einem Jahr sollte alles fertig sein. „Aber wir hatten Leichen im Keller“, berichtete Martina Kaufmann-Götz. Bei den Erdarbeiten für das Versickerungssystem wurden auf dem Hof Leichenteile gefunden (Bericht auf Niemegk-bloggt). Da die berliner Archäologen Dr. Renate Patzschke und Dr. Uwe Müller die Funde sicherten, verögerte sich die Fertigstellung der Außenanlagen. Martina Kaufmann-Götz bedankte sich bei allen am Bau beteiligten Firmen und Institutionen. Sie wünschte dem „Kastanienhof“ ein gutes Karma, gute Mieter und ein gutes Mieteinander.

Als Gratulant erinnerte Niemegks Bürgermeister Hans-Joachim Linthe an die durchaus wechselvolle Geschichte  der Bahnhofstraße 45. Zimmermeister Wilhelm Strüber siedelte vor 100 Jahren  hier, der nebenher eine Landwirtschaft bewirtschaftete, ein Sägewerk gegenüber betrieb und auch ein Ziegelwerk besaß. Strüber ging 1929 pleite. Mit der Elektrifizierung von Niemegk übernahm Karl Koboczinski das Objekt und gründete ein Eletrobetrieb. Mit Machtübernahme der Nazis bekam Koboczinski Schwierigkeiten und nahm den Namen Koberg an, floh aber später in den Westen Deutschlands. Hier wurde die Produktionsgenossenschaft  des Handwerks (PGH) Elektro Niemegk gegründet, die von Rostock bis Bitterfeld tätig war, selbst Miarbeiter nach Vietnam entsandte. In der Villa, so berichtete Hans-Joachim Linthe, wurde das Landambulatorium eingerichtet. Dort praktizierten zwei Allgemeinmediziner, einige Fachärzte hielten zeitweilig Sprerchstunden ab. Nach der Wende 1989 übernahmen die Erben Kobergs die Villa von der Treuhand. Aus der PGH wurde die Elektro niemegk GmbH, die ihren Sitz in der Werderstraße nahm.

„Die Villa verfiel in den Dornröschenschlaf. Es war ein unheimlicher Glücksfall, dass das Berliner Architektenehepaar  Kaufmann-Götz das Areal erwarb“, sagte der Bürgermeistere. Die Stadt wünsche  sich viel mehr menschen, die mit sehr viel Engagement solche Gebäude zu neuem Leben verhelfen. Glückwünsche überbrachte auch amtsdirektor Thomas Hemmerling. Gemeinsam wurde ein Bild vom Rathaus Niemegk überreicht.

Während der Einweihungsfeier standen die Türen zu allen Wohnungen offen. Sie sind sehr individuell zugeschnitten, überall gibt es bereits eine Küchenzeile. Die Bäder sind jeweils mit einer ebenerdigen Dusche ausgestattet.  In der Villa ist der historische Treppenaufgang erhalten geblieben. Die alten Türen und das Gebälk im neu ausgebauten Obergeschoss geben den Wohnungen einen besonderen Charme. Allgemeinmediziner Dr. Helmut Buhler, der am 23. Dezember 2008 seine Praxis schloss, zählte auch zu den Besuchern. Der beliebte Hausarzt besichtigte seine ehemaligen Praxisräume und erinnerte sich, unter welchen widrigen Umständen er gearbeitet hat. Der Außenwand-Gasheizer verschlang Unsummen an Energiekosten. Klar, die Fenster und Balkontüren waren undicht. Hilfe war kaum zu erwarten. Einmal war dann doch ein Verwalter vor Ort, der anschließend die Balkontür im Sprechzimmer austauschen ließ.

Das Berliner Architektenehepaar Kaufmann-Götz hat eine Perle mitten in Niemegk geschaffen. Bekannt ist es in der Region allemal. 1990 erwarben Martina Kaufmann-Götz und ihr Mann bereits den Vierseithof der früheren Schmiede in Lühnsdorf. Dort entstand das beliebte Landhaus „Alte Schmiede“ mit Hotel, Restaurant sowie einem Seminarhaus. Melanie Ribatzke und Chefkoch Dirk Krause übernahmen mit ihrem Team  auf dem „Kastanienhof“ die gastronomische betreuung. Alles hat sehr lecker geschmeckt. Zwei Musiker der Potsdamer „Havelschipper“ sorgten für beste Unterhaltung auf dem Hof. Hier ein paar Eindrücke (weitere Einzelheiten zum Kastanienhof hier):

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