AWO BV Logo


Spielend lernen

Potsdamer Neueste Nachrichten 19.10.2018

In Golm wurde die erste Awo-Grundschule eingeweiht – mit theaterpädagogischem Profil. Awo denkt über weitere Schule nach

Golm - Im Erdgeschoss gibt es ein kreisförmiges Atrium, das als Theaterbühne dienen kann, auf dem Dach eine Luftwärmepumpe, die für umweltfreundliche Wärme sorgt, und in den Klassenräumen einen neuen pädagogischen Ansatz: Am Donnerstag wurde in Golm die Marie-Juchacz- Grundschule mit angeschlossenem Hort offiziell eingeweiht.
Der Schulbetrieb in der freien Schule, die vom Wohlfahrtsverband Arbeiterwohlfahrt (Awo) getragen wird, läuft bereits seit 2015 – zunächst in Räumen der Awo-Kita „Turmspatzen“ in Eiche.

Seit dem Sommer 2017 sind die Schüler am Standort des Neubaus in der Straße An der Feldmark, wo lange noch gebaut wurde. Nun ist das Gebäude, das sich die Awo nach eigenen Angaben 7,2 Millionen Euro hat kosten lassen, fertig und wurde mit einem Fest eingeweiht. Für die Awo, die in Potsdam 20 Kitas und Horte betreibt, ist es die erste Schule. „Wir stehen für Bildung für alle Bevölkerungsgruppen und jedes Kind“, sagte Awo-Vorstandschefin Angela Schweers den PNN zum Engagement in dem Golmer Neubauviertel.

Staatliche Schulen seien wichtig, man sehe die einzügige Grundschule als Ergänzungsangebot. Pläne für weitere Awo-Grundschulen gebe es derzeit nicht – allerdings den Wunsch vieler Eltern nach einer weiterführenden Schule, sagte Schweers: „Da überlegen wir noch.“ Der Elternbeitrag an der Grundschule liege bei 50 Euro pro Monat – wer kein Geld habe, müsse aber nichts bezahlen, sagte Schweers. Dafür sei lediglich ein formloser Antrag nötig.

Auch inhaltlich geht die Awo mit der freien Schule neue Wege: Verfolgt wird ein theaterpädagogischer Ansatz, wie Schulleiterin Ina Golde den PNN erklärte. Das mache den Unterricht nicht nur abwechslungsreich und lebendig. Im Rollenspiel etwa erfahren die Kinder „sich und die anderen Menschen anders“, schildert die Reformpädagogin positive Effekte. Im Lehrerkollegium habe man gemeinsam überlegt, wie man die Lerninhalte des Rahmenlehrplans theaterpädagogisch unterstützen könne. Das funktioniere nicht nur bei der Sprachbildung, sondern auch beim Sachunterricht, berichtet Golde: So schlüpfen die Schüler etwa, wenn es um das Leben im alten Griechenland geht, in Kostüme und stellen Szenen nach. Sogar im Matheunterricht arbeite man mit theaterpädagogischen Ideen: Das Erlernen von Division etwa könne auch zum Gespräch über Gerechtigkeit genutzt werden – wenn man beides im Spiel miteinander verbinde.

Dann sollen die Schüler etwa überlegen, wie sie 20 Äpfel so auf vier Menschen aufteilen können, dass alle gleich viele bekommen. Die Schüler lernten „über das Erleben und über die Sinne“, sagt Golde. Die Lehrer achteten auch auf die Stimmung im Klassenraum und führten bei Bedarf Wahrnehmungsübungen wie die sogenannte „Traumreise“ durch. Ein Vorbild für diesen Ansatz gebe es nicht, sagt Golde: „Wir probieren viel selber aus.“ Auch an Kontakten sei man interessiert – so gebe es im Rahmen eines Leseprojektes eine Zusammenarbeit mit Lehramtsstudierenden aus Golm. Die Schule will sich auch dem Stadtteil öffnen: Sporthalle und das Atrium stehen Golmer Vereinen nach Anmeldung zur Nutzung offen, sagt Schweers. Als Vorbild diene dabei die Stadtteilschule in Drewitz.

Die Golmer Ortsvorsteherin Saskia Ludwig (CDU) begrüßte das bei der Eröffnung ausdrücklich. Auch Mike Schubert (SPD), Sozialdezernent und designierter Oberbürgermeister, wünschte der Schule eine gute Entwicklung. Der theaterpädagogische Ansatz findet sich auch im zweigeschossigen Gebäude wieder: Neben dem runden Atrium gleich im Eingangsbereich gibt es einen weiteren runden Theaterraum im Obergeschoss, wie Architektin Doreen Molzahn vom Berliner Architektur- und Ingenieurbüro ATG Bau-Planung erläutert. Das Gebäude auf dem mit knapp 5800 Quadratmetern recht kleinen Grundstück zu planen, sei eine Herausforderung gewesen. Den Namen hat die Schule von der Frauenrechtlerin und Sozialdemokratin Marie Juchacz. Sie hielt nach Einführung des Frauenwahlrechts nicht nur als erste Parlamentarierin eine Rede – sondern gründete im Dezember 1919 auch die Arbeiterwohlfahrt. In Potsdam ist ihr Name durch die Straße im Kirchsteigfeld bekannt.
An der neuen Awo-Schule lernt – ein Zufall – auch eine Nachfahrin von Marie Juchacz: Lisa Adams. Sie durfte gemeinsam mit Schulleiterin Golde das Namensschild enthüllen. Jana Haase

Zurück