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„Und die Welt schaut zu“

AWO Pressemitteilung

Statement von Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverbandes Potsdam e.V. zu den erschütternden Berichten aus Ost-Goutha und Afrin in Syrien.

„Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit. Das sind die Gefühle beim Lesen der Berichte über die Situation in Syrien. Die Zivilbevölkerung gerät zunehmend zwischen die Fronten, Kinder sterben, wie etwa am Mittwoch in Ost-Goutha und Afrin. Und es sind nicht mehr Einzelschicksale, sondern hunderte und tausende Opfer eines seit sieben Jahren! andauernden Krieges, den niemand mehr wirklich versteht.

Zahlreiche ausländische Mächte ringen mittlerweile um Einfluss in dem weitgehend zerstörten Land, die Leidtragenden sind die Zivilisten – und hier vor allem die unschuldigen Kinder. Sie haben nichts getan, verstehen nicht, was um sie herum passiert, müssen aber den unbarmherzigen Kampf um Gebiete und Einfluss mit ihrem Leben bezahlen oder aus ihrer Heimat flüchten. Wir können nicht länger daneben stehen und so tun, als ginge uns das gar nichts an. Wir können nicht einfach nur daneben stehen und uns durch unwichtige und banale Dinge ablenken lassen.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hat am Mittwoch ein Statement veröffentlicht. Es bestand aus der Überschrift „Uns fehlen die Worte", einem Bild – und einer leeren Textseite. Kinder werden ermordet und/oder können in ihren zerstörten Heimatländern zeitnah weder auf geeignete Unterbringung, Ernährung geschweige denn auf Schulbildung hoffen. Wir fordern daher die Vereinten Nationen, insbesondere die Industriestaaten dazu auf, Strategien und einen konkreten Aktionsplan aufzustellen, die zum Ziel haben, Kinder aus diesen Kriegsgebieten zu evakuieren und zu schützen. Für Deutschland könnte dies über eine Ausweitung und Verstetigung der seit 2014 existierenden Kindertransporthilfe der Bundesregierung realisiert werden.

Und wir fordern auch die Potsdamer Zivilgesellschaft auf, über Aktionen nachzudenken, wie wir den von Tod und Existenzvernichtung bedrohten Menschen und Kindern helfen können. Helfen Demonstrationen? Was kann die Stadt tun? Was kann jeder einzelne tun?

Nein, dies soll nicht als Argument dienen für ein verstärktes militärisches Engagement irgendeines Landes. Es soll ein Aufruf für ernsthafte Friedensverhandlungen aller Beteiligten sein. Bis dahin muss die Zivilbevölkerung aus den syrischen Kriegsgebieten in Sicherheit gebracht werden. Notfalls müssen die Kinder bis zum Ende der Kämpfe aus den Gebieten geholt und im Zweifel auch nach Deutschland gebracht werden. Kinder sind unschuldig, wir müssen ihnen helfen, das darf keine Frage des Geldes sein. Wir können nicht zusehen, wie hunderte Kinder täglich im Bombenhagel sterben.

Das nicht nur in Syrien Kinder und Zivilisten sterben, wird in der kommenden Woche das Konfliktbarometer 2017 des Heidelberger „Institut für internationale Konfliktforschung“ zeigen. Wie in den vergangenen Jahren auch wird dabei vermutlich deutlich werden, dass Afrika und der nahe Osten globaler Krisenherd bleiben."

Quellen:

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