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FAQ zum Modellprojekt „Schulgesundheitsfachkräfte“ in Brandenburg

In welchen Ländern gibt es schon Schulgesundheitsfachkräfte?

In den meisten europäischen und angelsächsischen Ländern. So existiert eine „National Association of School Nurses“ in den USA. Dort gibt es teils schon seit Jahrzehnten „Schulkrankenschwester“, die sich direkt und niederschwellig um die gesundheitliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen kümmern. Sowohl Lehrkräfte als auch Kinderärzte sehen in ihrer täglichen Arbeit den Bedarf an professionellem Gesundheitspersonal im Schulalltag und wünschen sich diese Unterstützung, die in anderen Staaten Europas und weltweit teilweise schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts an Tradition ist. Zu nennen sind hier unter anderem Polen oder die skandinavischen Länder.

Gab oder gibt es so ein Projekt schon mal in Deutschland?

In dieser Form nicht. Zwar existierte für wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg (1914- 1918) ein entsprechendes Projekt, das dann aber in der Weimarer Republik wieder eingestellt wurde. In Deutschland haben aber einige private Schulen (Waldorf) oder die Schulen der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein Schulgesundheitsfachkräfte.

Welche Vorarbeiten waren nötig, um das Modellprojekt zum Laufen zu bringen?

Äußerst umfangreiche. Begonnen hat alles im Rahmen des Plenums des Bündnisses Gesund Aufwachsen in Brandenburg. Dort wurden die Landesregierung und andere Beteiligte im Jahr 2012 gebeten, die notwendigen Voraussetzungen für den Einsatz von Schulkrankenschwestern zu schaffen. Zunächst verfasste der Projektträger eine Machbarkeitsstudie verfasst, die zum Ergebnis kam, dass der Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften im Land Brandenburg grundsätzlich möglich ist. Anschließend wurde ein Curriculum zur Qualifizierungsmaßnahme für examinierte Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräfte erarbeitet.

Ziele der Machbarkeitsstudie, die auf Beschluss des 4. Plenums des Bündnisses Gesund Aufwachsen in Brandenburg entstand, war die Erarbeitung eines Tätigkeitsprofils von Schulpflegekräften für das Land Brandenburg, die Machbarkeitsprüfung über den Einsatz von Pflegefachkräften an öffentlichen Schulen und die Ableitung von Empfehlungen für ein Pilotprojekt an Modellschulen in strukturschwachen und von Kinderarmut besonders belasteten Regionen. Insbesondere wurden hierbei Erfahrungen im Sinne von Modellen guter Praxis aus Finnland und Polen berücksichtigt, da dort das Konzept der Schulpflegekräfte („School Nurses“) seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt wird.

Wer steht hinter dem Modellprojekt „Schulgesundheitsfachkräfte“?

Projektträger ist der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. Kooperationspartner sind das Brandenburger Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sowie Bildung, Jugend und Sport, die AOK Nordost – die Gesundheitskasse und die Unfallkrankenkasse Brandenburg. Dazu wurden zehn examinierte Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräfte von November 2016 bis Februar 2017 zu Schulgesundheitsfachkräften qualifiziert. Der Einsatz an den 20 Modellschulen in Brandenburg begann Anfang Februar. Parallel findet ein Projekt Schulgesundheitsfachkräfte auch in Hessen statt – organisiert von der dortigen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e.V., (Hage), dem Kultus- und dem Sozialministerium sowie der AOK Hessen.

Warum wird der Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften an öffentlichen Schulen in Brandenburg erprobt?

Die AOK-Familienstudie von 2014 hat in diesem Bereich zwar ein erfreuliches Bild gezeichnet, wonach 80 Prozent der 4- bis 14-jährigen Kinder keine Probleme haben. Das bedeutet aber auch: Jedes fünfte Kind leidet unter gesundheitlichen Problemen. Dazu zählen Beschwerden wie Einschlafstörungen, Rücken-, Bauch-, oder Kopfschmerzen sowie Gereiztheit. Vor diesem Hintergrund liegt dem Einsatz der Schulgesundheitsfachkräfte der durch Studien vielfach belegte Gedanke zugrunde, dass es einen Zusammenhang zwischen dem gesunden Aufwachsen von Kindern und ihrem Bildungserfolg gibt. So schmälern etwa Armut und damit verbundene ungesunde Ernährung die Chancen auf eine gute Bildung.

Was sind die Ziele des Modellprojektes?

Da es bisher für den aus dem Ausland bekannten Ansatz der Schulkrankenschwestern in Deutschland keine rechtliche Grundlage und keine Erfahrungswerte gibt, ist es Ziel des Modellprojektes zu prüfen, welchen Beitrag Schulgesundheitsfachkräfte zur Gesundheit und zum Bildungserfolg in öffentlichen Schulen in Brandenburg leisten können. Darüber hinaus gilt es, Leistungen und Strukturen für einen Regelbetrieb zu prüfen.

Welche Aufgaben haben die Schulgesundheitsfachkräfte?

Die examinierten Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräfte sollen an den Modellschulen u.a. folgende Aufgaben übernehmen:

  • gesundheitliche Versorgung der Schüler mit dem Schwerpunkt der Erstversorgung
  • Gesundheitsförderung und Prävention
  • Früherkennung
  • Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen/Behinderungen beziehungsweise nach längerer krankheitsbedingter Abwesenheit
  • Ansprechpartner und Vertrauensperson für Schüler mit gesundheitlichen Problemen
  • Interdisziplinäre Kooperation mit anderen Professionen und Institutionen

Wer finanziert das Modellprojekt?

Im Rahmen des Modellprojektes finanzieren die Sozialversicherungsträger AOK Nordost und Unfallkrankenkasse Brandenburg den Großteil der Kosten von rund 1,1 Millionen Euro. Die beteiligten Ministerien und der Projektträger AWO sind ebenfalls an den Projektkosten beteiligt.

Wie geht es nach dem Ende des Modellprojektes weiter?

Die länderübergreifende Evaluation der Modellprojekte in Brandenburg und Hessen erfolgt durch die Charité Berlin. Erste Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Begleitung werden in etwa einem Jahr erwartet, auf deren Grundlage eine tragfähige Struktur für einen möglichen zukünftigen Regeleinsatz von Schulgesundheitsfachkräften an Brandenburger Schulen entwickelt werden muss.