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Evangelische Hochschule wirbt für Modellprojekt Schulgesundheitskräfte

Echo

DARMSTADT - Sie helfen bei Wehwehchen und Verletzungen, begleiten Schüler mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen, beraten bei körperlichen wie seelischen Problemen oder fördern gesunde Ernährung und Bewegung: All das machen Schulgesundheitsfachkräfte. Was in anderen Ländern etabliert ist, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Ein Modellprojekt will das ändern, und die Evangelische Hochschule Darmstadt (EHD) bietet für Hessen die nötige Weiterbildung an.

"Das ist ein innovatives Feld für die Pflege", begründete Ulrike Manz, EHD-Professorin für Gesundheitswissenschaften, ihr Engagement für dieses Metier am Freitagabend im Rahmen eines ersten bundesweiten Fachtags und Netzwerktreffens mit Akteuren dieses Tätigkeitsfelds. Beteiligt an der zweitägigen Veranstaltung waren auch Kollegen aus Potsdam, das Modellprojekt wird von Hessen und Brandenburg gemeinsam umgesetzt.

"Wir wissen alle, es gibt eine Versorgungslücke und unzureichende Gesundheitsversorgung an öffentlichen Schulen", befand Gudrun Bratsch vom Team aus Brandenburg, wo ein Lehrplan für die entsprechende Weiterbildung examinierter Gesundheits- und Kinder- oder Krankenpflegekräfte entwickelt wurde und seit Februar die ersten zehn Gesundheitsfachkräfte an 20 öffentlichen Schulen tätig sind. Auch im Zuge des Ausbaus zur Ganztagsschule und der Inklusion sowie der Zunahme chronischer Erkrankungen steige der Bedarf.

In Hessen sind seit Juni dieses Jahres ebenfalls die ersten zehn an der EHD qualifizierten Schulgesundheitsfachkräfte im Einsatz - und zwar an zehn öffentlichen Schulen in Frankfurt, Offenbach und im Kreis Offenbach. Ziele sind, die Gesundheitskompetenz zu fördern, die Lernvoraussetzungen für gesundheitlich oder sozial belastete Schüler zu verbessern, Schulpersonal zu entlasten und Eltern zu unterstützen.

Schon länger Erfahrungen damit gibt es indes an privaten und internationalen Schulen, wie bei der Vorstellung der anwesenden Projekte deutlich wurde. "Wir schauen nach der körperlichen, seelischen und geistigen Gesundheit", erläuterte Gabriella Delfino, die seit 13 Jahren an einer Waldorfschule als Gesundheitsfachkraft arbeitet. "Die Kinder kommen, wenn's ihnen nicht gut geht." Dabei gehe es auch mal darum, die eigentliche Ursache hinter den Bauchschmerzen zu greifen. Sie leiste nicht nur Gesundheits-, sondern auch Lebensberatung.

Von der dänischen Tradition von Schulkrankenschwestern berichtete die Ärztin Karen Fink von der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. "Für die Schulen ist das selbstverständlich, dass sie Teil ist." Ihre Aufgaben seien sehr umfassend: von Zahnpflege über Hilfe bei Mobbing oder Fragen der Pubertät bis zu Suchtprävention. "Wir sind sehr interessiert, dass sich so etwas in Deutschland entwickelt, denn wir wollen kein Parallelsystem sein", unterstrich Fink.

"Es besteht ein absoluter Bedarf", bekräftigte auch Michael Kraus aus Flensburg, wo es bereits mehrere Projekte zur Gesundheitsförderung an Schulen gibt. Von ihrer Arbeit berichtete etwa Gesundheitspädagogin Nicole Treike, die neben Beratung und Begleitung auch viele aktivierende Projekte anbietet: So gebe es ein Seilsprungprojekt für die Herzgesundheit, Kinder-Joga zur Entspannung während der Pause einerseits und andererseits eine "Ramba-Zamba-Box" voller Spielgeräte, "damit mehr Bewegung in die Pause kommt".

917 Schülerkontakte
in 16 Wochen

Laut Projektleiter Kraus zählten sie bei einer Evaluation innerhalb von 16 Wochen 917 Schülerkontakte, mittlerweile dürfte es seiner Schätzung nach doppelt so viel sein. Auch diese Erfolgsbilanz brachte Ulrike Manz auf den Gedanken, "das wäre auch für eine Kommune wie Darmstadt gut".

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