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Medizinisch versorgt wie in Hogwarts

An der Schule für Hexerei und Zauberei in Hogwarts heißt sie Madam Pomfrey, in Greg’s Tagebuch kümmert sich die „Schulschwester“ um erkrankte Schüler und auch in der deutschen Kinderserie Schloss Einstein gab es über Jahre eine „Schulkrankenschwester“. Was magisch-literarisch klingt, ist vielerorts schon jahrzehntelang Realität, wie Beispiele aus Finnland und Polen belegen. Nur in Deutschland gibt es sie nicht, die schuleigenen Pflegefachkräfte.

Eine jetzt veröffentlichte Machbarkeitsstudie zeigt, wie auch in Deutschland Schulkrankenschwestern eingeführt werden können.

Die Studie ist zentrales Ergebnis des ESF-geförderten Projektes „Transnationaler Austausch zum Innovationskonzept Schulpflegekräfte an öffentlichen Schulen im Land Brandenburg“, welches der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. gerade abgeschlossen hat. Die Machbarkeitsstudie entstand aufgrund einer gemeinsamen Initiative mit den im Bündnis Gesund Aufwachsen in Brandenburg mitwirkenden Akteuren, insbesondere den für Bildung und Gesundheit zuständigen Landesministerien. Die Ziele der Studie bestanden darin, ein Tätigkeitsprofil zu erarbeiten, eine Machbarkeitsprüfung über den Einsatz von zukünftigen Schulpflegekräften vorzunehmen und dafür die erforderlichen arbeitsmarktbezogenen, rechtlichen, strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen zu analysieren sowie Empfehlungen für die Konzeption und Durchführung eines Pilotprojekts abzuleiten.

Im Zuge der Bestrebungen zu inklusiven Bildungsangeboten, Ganztagsschule und der Förderung gesundheitlicher und bildungsbezogener Chancengleichheit aller Kinder und Jugendlichen zeigt sich deutlich, dass in Deutschland schulische Gesundheitsförderung noch immer als ein von außen an die Schulen herangetragenes Angebot wahrgenommen wird. Sie hat sich nicht, wie beispielsweise in den Projektpartnerländern Finnland oder Polen, aus der Schule von innen heraus entwickelt. Dabei lernen Kinder und Jugendliche am besten, wenn auch ihren gesundheitsbezogenen Bedürfnissen adäquat Rechnung getragen wird. Die Schulen sind jedoch für eine angemessene medizinische Versorgung oft nur unzureichend ausgestattet. Medizinisch ungeschultes Personal befindet darüber, ob ein Kind nach kleineren Unfällen oder bei Unwohlsein nach Hause geschickt wird. Für chronisch kranke und behinderte Schüler/innen ergibt sich über den Tag hinweg eine Versorgungslücke, die ihre Eltern verunsichern und die Lehrkräfte zusätzlich belasten. Zudem hängen Gesundheit, Bildung und Armut in komplexer Weise miteinander zusammen und beeinflussen maßgeblich den späteren Lebensweg der Heranwachsenden. Die Kinderarmutsquote liegt im Land Brandenburg bei ca. 25% und Forschungsbefunde zeigen, dass arme bzw. sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche weder eine gesundheitliche noch eine bildungsbezogene Chancengleichheit erfahren.

In vielen Staaten weltweit gibt es daher Schulpflegekräfte. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie sichern eine qualitativ hochwertige gesundheitsbezogene Versorgung in der Schule und wirken an der Gesundheitsförderung und Entwicklung einer gesunden Schule mit. Sie beraten Schülerschaft, Eltern und Schulpersonal, sie haben gesundheitliche Probleme einzelner Mädchen und Jungen im Blick und vermitteln Hilfen. Sie ermöglichen mit Blick auf den Inklusionsanspruch der Bildungseinrichtungen durch Beratung und eventuelle Pflege im Schulalltag auch Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten den Besuch einer Regelschule.

Die vollständige Machbarkeitsstudie kann hier heruntergeladen werden.
Zwei Zusammenfassungen der Studie stehen hier(Langversion) und hier (Kurzversion, in deutscher und englischer Sprache) zur Verfügung.

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