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Schulkrankenschwestern in Deutschland gründen Netzwerk

Gemeinsame Presseinformation

Schulgesundheitsfachkräfte, Schulkrankenschwestern und sogenannte School Nurses wollen künftig enger zusammenarbeiten, um die Interessen des in Deutschland noch neuen Berufsbildes gemeinsam zu vertreten. Dazu wurde Anfang November im Rahmen des ersten Netzwerktreffens Schulgesundheit an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt ein „Netzwerk Schulgesundheitspflege“ gegründet. Sprecher des neuen Gremiums ist der Pflegewissenschaftler an der Universität Bonn, Andreas Kocks. „Schule hat sich nach der Familie zum wichtigsten Lebensbereich von Kindern und Jugendlichen gewandelt, in dem sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Dass Themen wie Gesundheit und Krankheit vor der Schultür nicht haltmachen, ist naheliegend. Es ist wichtig, dass Deutschland an internationale Standards der Schulgesundheitsversorgung endlich aufschließt“ so Andreas Kocks.

Unterstützt wird Herr Kocks durch die Schulkrankenschwestern Astrid Heinze und Astrid Fisch, die beide als Teil des derzeit laufenden Modellprojektes „Schulgesundheitsfachkräfte an öffentlichen Schulen in den Bundesländern Brandenburg und Hessen“ für die Kinder und Jugendlichen im Einsatz sind. Zusätzlich bringt Karin Klein mehrjährige Erfahrungen als Schulkrankenschwester an der Munich International School ein.

An dem zweitägigen Netzwerktreffen in Darmstadt am 3. /4. November nahmen rund 50 Schulkrankenschwestern aus insgesamt acht Bundesländern sowie Vertreter von Institutionen und der Politik teil. Neben Vertretern der Modellprojekte konnten sich Gesundheitsfachkräfte an Internationalen Schulen, Waldorfschulen, Europäischen Schulen, deutschen Schulen im Ausland sowie Schulen der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein über ihre Arbeit austauschen. Außerdem waren die Kommunen Flensburg, Bremen, München und Mainz dabei. In Bremen sollen sechs Schulgesundheitsfachkräfte eingesetzt werden, in Mainz ist eine Pflegekraft an einer Grundschule geplant. Flensburg hat bereits zwei Schulkrankenschwestern im Einsatz. Im kommenden Jahr ist ein zweites Netzwerktreffen in Potsdam geplant.

Ziel des Netzwerkes ist es, im ersten Schritt einen nationalen Austausch über neue Entwicklungen im Bereich Schulgesundheit zu ermöglichen sowie den Einsatz von Schulkrankenschwestern an öffentlichen Schulen langfristig zu ermöglichen. Auf dem Netzwerktreffen in Darmstadt ging es vor allem um die Voraussetzungen für den Einsatz an den Schulen und welche Aufgaben die Schulgesundheitsfachkraft dabei übernehmen soll. Diskutiert wurde über die Weiterbildungsbedarfe und deren Umsetzungsmöglichkeiten, um als Teil der multiprofessionellen Teams gemeinsam mit den Schulsozialarbeiten und anderen Professionen die Schüler und Schülerinnen zu unterstützen. Ein weiteres Thema war die Weiterentwicklung des Curriculum, etwa in Form einer akademischen Ausbildung, beispielsweise einem Master für Schulgesundheitsfachkräfte.

„Es muss ein institutionell anerkannter Standard für die Weiterbildung der Schulgesundheitsfachkräfte vorliegen“, sagte die Projektleiterin der AWO für das Brandenburger Modellprojekt, Gudrun Braksch. Das vom AWO Bezirksverband Potsdam e.V. entwickelte Curriculum stelle die Grundlage dafür dar. Die examinierten Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräfte müssen demnach eine mehrmonatige Weiterbildung durchlaufen und werden anschließend tätigkeitsbegleitend weiter für ihren Einsatz geschult. Ende Oktober wurden in Brandenburg die ersten Zertifikate für die abgeschlossene Ausbildung überreicht.
„Schulgesundheitspflege“, so Ulrike Manz, Professorin am Fachbereich Pflege- und Gesundheitswissenschaften der Evangelischen Hochschule Darmstadt, „stellt ein neues, innovatives Handlungsfeld für Pflegende dar“. Es gehe somit um die inhaltliche Profilschärfung dieses Aufgabenbereiches, die berufspolitische Organisation im Feld Pflege und auch um die Erarbeitung von entsprechenden Standards sowie Qualifikationen für dieses Tätigkeitsfeld. Aus diesem Grunde engagiert sich Manz gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Gunnar Haase Nielsen u.a. in der Weiterbildung im Rahmen des laufenden Modellprojektes in Hessen. „Der Austausch wird neue Ideen in die Schulen tragen und damit Schulgesundheitsfachkräfte dabei unterstützen, passgenaue Angebote in den Schulen anbieten zu können“, sagt Oliver Janiczek vom hessischen Projektträger HAGE e.V.

Hintergrund: Das Modellprojekt Schulgesundheitsfachkräfte

Die Praxisphase des Modellprojektes „Schulgesundheitsfachkräfte an öffentlichen Schulen in den Ländern Brandenburg und Hessen“ begann in Brandenburg Anfang Februar 2017 an insgesamt 20 Schulen. In Hessen sind 10 Modellschulen beteiligt. Die Schulkrankenschwestern kümmern sich um die Erstversorgung, organisieren Präventionsprojekte etwa zu gesunder Ernährung oder Bewegung. Zudem arbeiten sie eng mit den Schulen, dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) und weiteren Institutionen im Bereich der Früherkennung und Versorgung zusammen.

Das Projekt in Brandenburg wird in Kooperation mit den Ministerien für Bildung, Jugend und Sport und für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg, der AOK Nordost und der Unfallkasse Brandenburg umgesetzt und endet am 31. Oktober 2018. Projektträger ist der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. Das Modellprojekt sowie das Curriculum und die Auswirkungen der Tätigkeit von Gesundheitsfachkräften auf die Bildungschancen der Kinder werden bis Projektende umfassend evaluiert.

Mit dem Netzwerk wird nun ein Erfahrungsaustausch zwischen den erfahrenen und den neuen Schulgesundheitsfachkräften möglich, um das Thema Gesundheit an den Schulen insgesamt zu stärken. An der Evangelischen Hochschule Darmstadt wurde hier der Impuls gesetzt.

Weitere Informationen zum Modellprojekt:
www.awo-potsdam.de/projekte/schulgesundheitsfachkraefte-im-land-brandenburg.html
www.hage.de/aktivitaeten/gesund-aufwachsen/projekte/projekt-schulgesundheitsfachkraefte.html
www.eh-darmstadt.de/

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